4. Schleswig-Holsteinischer Bibliothekstag

Kiel, 14.10.2015

Bibliotheken für alle!

4. Schleswig-Holsteinischer Bibliothekstag präsentierte die neuesten Entwicklungen im norddeutschen Bibliothekswesen

Unter dem Motto „Bibliotheken für alle!“ fand heute in Kiel eine der bedeutendsten regionalen Messen und Fachkongresse für den Bibliotheksbereich in Deutschland statt. Rund 300 Mitarbeite-rinnen und Mitarbeiter aus Öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken kamen aus Nord-deutschland und Süddänemark zusammen, um sich im Rahmen des Kongressprogramms über aktuelle und die Zukunft der Bibliotheken betreffende Themen wie „Bibliotheksangebote für Flücht-linge“, „Neue Informationssysteme“ und „Sonntagsöffnung in Bibliotheken“ zu informieren.

Der 4. Bibliothekstag wurde von der Arbeitsgemeinschaft der bibliothekarischen Verbände in Schleswig-Holstein, der Universitätsbibliothek Kiel sowie von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein veranstaltet. In seiner Eröffnungsrede betonte Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer die zentrale Bedeutung der Bibliotheken für das Land als Bildungseinrichtungen: „Bibliotheken sind starke Partner für Bildung, Kultur, Wissenschaft und lebenslanges Lernen und zählen damit zum Kernbereich der öffentlichen Daseinsvorsorge. Mit dem geplanten Bibliotheksgesetz wollen wir genau dies offiziell dokumentieren. Wir wollen endlich eine angemessene rechtliche Aufwertung des Bibliothekswesens erreichen und Bibliotheken als Standortfaktoren definieren, die im Rahmen der Sozialraum- und Stadtentwicklungsplanung sowie der Digitalen Agenda berücksichtigt werden sollen“.

Lars Jendral (Landesbibliothekszentrum Rheinland Pfalz / Rheinische Landesbibliothek, Koblenz) stellte in einem der beiden Hauptvorträge „Die Eckpunkte des elektronischen Pflichtexemplars in Rheinland-Pfalz“ vor. Mit Verabschiedung eines Landesbibliotheksgesetzes im vergangenen Jahr wurde festgelegt, dass von jedem Druckwerk, das in Rheinland-Pfalz erscheint, künftig unaufge-fordert und unentgeltlich ein sogenanntes Pflichtexemplar an eine zuständige Bibliothek geliefert werden soll. Eingeschlossen sind u.a. Texte in elektronischer Form.
In einem zweiten Hauptvortrag beschrieb Claudia Knauer vom Verband Deutscher Büchereien in Nordschleswig unter dem Titel „Gute Rahmenbedingungen für gute Bibliotheken durch Biblio-theksgesetze in Dänemark“ die Rechtsgrundlage der dänischen Nachbarn: Bereits seit 1920 erklärt ein nationales Bibliotheksgesetz Bibliotheken zur Pflichtaufgabe und schreibt damit jeder Kommune die Unterhaltung einer Öffentlichen Bibliothek vor.

Einen der Höhepunkte des Bibliothekstages bildete die Podiumsdiskussion zum Thema „Wie offen muss eine Öffentliche Bibliothek sein?“. Praxisbeispiele aus Finkenwerder („Öffnung ohne Perso-nal“) und Siegburg („Sonntags-Öffnung mit geringfügig Beschäftigten“) stimmten auf die Diskussion ein.

Mit Spannung wurde erwartet, ob erste Aussagen zum Schleswig-Holsteinischen Bibliotheksgesetz getroffen werden. Im Vorfeld des Gesetzentwurfs hat das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa dazu ein Eckpunktepapier erarbeitet, das Informationen zur Struktur und Finanzierung des Bü-chereiwesens und zur Bedeutung der Bibliotheken in Schleswig-Holsteinzusammenfasst, aber konkretere Aussagen für die Öffentlichen Bibliotheken vermissen ließ. Einer Verpflichtung für die Kommunen (Pflichtaufgabe), Bibliotheken vorzuhalten, hat man dagegen eine Absage erteilt. Dementsprechend ist das Interesse groß, in welcher Weise der Koalitionsvertrag der SPD, der Grünen und des SSW erfüllt werden soll, der Folgendes vorsieht: „Die Landesregierung wird (…) einen Entwurf eines Bibliotheksgesetzes einbringen, mit dem die Förderung der Büchereien und wissenschaftlichen Bibliotheken im Land und deren Arbeit erstmals auf eine eigenständige, solide Grundlage gestellt wird“.

Der Gesetzentwurf soll in diesem Herbst ins Kabinett und anschließend in den Landtag eingebracht werden. Bereits im Jahr 2007 hielt die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages fest: „Bibliotheken sind ein unverzichtbarer Teil unserer Kulturgeschichte und von überragender Bedeutung für die kulturelle Bildung. Sie müssen aus dem Status der ‚freiwilligen Leistung‘ herausgeführt werden“ und empfahl allen Bundesländern Öffentliche Bibliotheken per Gesetz zu einer „Pflichtaufgabe“ zu machen.

14.10.2015